bpb: Burschenschaft im Extremismus-Glossar

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt die Burschenschaft

 

Vom 3. Februar datiert ein Beitrag im Extremismus-Glossar der bpb, der das Thema "Burschenschaft" auf eine Weise angeht, die man unmöglich unwidersprochen hinnehmen kann (dieser Link verweist aus Gründen der Versionssicherheit auf einen Screenshot der bpb-Seite vom 7.2.2014).

 

Im folgenden gekürzt aus einem Schreiben des NeueDB-Vorstands an die bpb in dieser Angelegenheit:

 

Die Darstellung der Burschenschaften in Ihrem Extremismus-Glossar rückt alle Burschenschaften in die Nähe des Rechtsradikalismus. Wir als der liberale burschenschaftliche Dachverband "Neue Deutsche Burschenschaft" (NeueDB) fühlen uns durch Ihren Artikel diskriminiert, zumal wir auf unserer Mitgliederversammlung 2011 eine Resolution gegen Rechtsradikalismus verabschiedet und veröffentlicht haben. Der Artikel entspricht außerdem nicht der Erwartung an Ihre Institution, gut recherchierte seriöse Darstellungen zu liefern - hier nur einige Beispiele:

 

- So ist die Behauptung "Burschenschaften sind national- konservative Studentenverbindungen" nicht belegt und eine unzulässige Verallgemeinerung.

 

- "Als 'schlagende Verbindung' werden Burschenschaften bezeichnet, bei denen es zum Brauch gehört, sich mit Säbeln zu duellieren"

Hier wird Mensur und Duell verwechselt. Dazu zwei Hinweise: 1.) Bei einen Duell geht es um Ehrenstreitigkeiten (vgl. Wikipedia). I.d.R. geht es darum bei einer Mensur nicht. 2.) Es gibt schlagende oder fakulativ schlagende Burschenschaften, die zwar Mensuren schlagen, Ehrenhändel aber explizit verbieten. Die Aussage der bpb, dass sich schlagende Verbindungen duellieren, ist schon deshalb falsch.

 

- "Bei den Kämpfen kommt es häufig zu schweren Verletzungen."

Das Gegenteil ist der Fall, Regelwerk und Schutzkleidung verhindern effektiv schwere Verletzungen. Zwar kommt es in der Tat häufig zu Schnitten im Wangen- und im oberen Kopfbereich, die mitunter auch stark bluten. Schwere Verletzungen sind dies aber i.d.R. nicht. Sie werden auch in den allerseltensten Fällen klinisch behandelt.

 

- "Eventuelle Narben werden als Auszeichnung für Tapferkeit und Zeichen für die enge Verbundenheit zu den Burschenschaften angesehen"

Dies sind völlig unbelegte Wertungen und Interpretationen der Redaktion, die durch nichts gestützt sind (und im Übrigen der Wahrheit auch nur sehr bedingt entsprechen).

 

- "... im größten und ältesten Dachverband 'Deutsche Burschenschaft' (DB) sind 1300 Studenten und mehr als 10.000 'Alte Herren' aus 120 Mitgliedsbünden aktiv."

Diese Zahlen sind mindestens drei Jahre alt. Der aktuelle Stand sind 66 Burschenschaften und entsprechend weniger Studenten und Alte Herren. Ein einfacher Besuch der Redaktion bei Wikipedia hätte diesen Fehler ersparen können.

 

- "...der sogenannte 'Ariernachweis'"

Diese Bezeichnung suggeriert, dass der Begriff "Ariernachweis" der offizielle, auch in der DB verwendete Begriff ist. Dies ist natürlich nicht der Fall, der Vorgang wurde von Teilen der Presse so bezeichnet.

 

Insgesamt zeichnet sich der Artikel durch mangelhafte Recherche, unbelegte Wertungen, unzulässige Verallgemeinerungen sowie durch unserer Ansicht nach klischeehafte Darstellung aus. Es ist uns unverständlich, wie dies zu dem Zweck der "politischen Bildung" sowie zu dem hohen Anspruch der Bundeszentrale passt.