Die Vorsitzende Burschenschaft der NeuenDB 2011

Die Vorsitzende Burschenschaft für das Geschäftsjahr 2011 - die Burschenschaft Frankonia Gießen - stellt sich vor.

Die Gießener Burschenschaft Frankonia ist hervorgegangen aus dem am 4. Juni 1872 gegründeten „Pharmazeutischen Verein“, der sich schon bald zum „Akademisch-Naturwissenschaftlichen Verein“ (ANV) erweiterte und in dieser Form fast drei Jahrzehnte bestand. Als der Verein gegen Ende des Jahrhunderts in eine Existenzkrise geriet, wandelte er sich 1899 in die Freie Studentenverbindung Frankonia um  und wurde 1906 in die Deutsche Burschenschaft (DB) aufgenommen. Der große Aufschwung, den die Gießener Burschenschaft Frankonia in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg nahm, ermöglichte ihr nicht nur die personelle Unterstützung anderer Burschenschaften (Frankonia Berlin, Salingia Halle), sondern 1913 auch die Errichtung eines eigenen Frankenhauses, das noch heute Mittelpunkt des Bundeslebens ist.

Der Erste Weltkrieg war ein jäher Einschnitt in das Bundesleben. Insgesamt zogen 185 junge und alte Franken ins Feld, von denen 28 ihr Leben für das Vaterland ließen. Nach dem Krieg war jedoch der Zulauf zu den Verbindungen ungebrochen. Frankonia war zeitweise die stärkste schlagende Verbindung in Gießen und zeichnete sich durch intensive politische Vortragsarbeit sowie durch große sportliche Erfolge in verschiedenen Disziplinen aus. In dem Richtungsstreit innerhalb der DB, der gegen Ende der Weimarer Zeit ausbrach, sprach sich die Burschenschaft Frankonia gegen die Entwicklung des Verbandes zu einem politischen Kampfverband aus und beschloss auf ihrem Altherrentag 1931, „unabhängig vom parteipolitischen Standpunkt alle Bestrebungen zu unterstützen, die auf einen Wiederaufbau des Reiches und seine Gesundung nach innen und außen abzielten.“ Allerdings beteiligte sich die Gießener Burschenschaft Frankonia nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 nur allzu willfährig an der „nationalen Erhebung“ und strukturierte - entsprechend der Neuordnung der DB - den Bund nach dem „Führerprinzip“ um. Doch alle Bemühungen um systemkonforme Anpassung erwiesen sich als erfolglos, sodass sich die Burschenschaft Frankonia am 17. Mai 1936 auflösen musste.

Während des Zweiten Weltkrieges führte die „Kameradschaft Ulrich von Hutten“, die 1938 das Frankenhaus bezogen hatte, die Tradition der alten Frankonia in neuer Form fort. Es wurden Stiftungsfeste der Frankonia gefeiert, auf dem Haus wurde das Frankenband zur Uniform getragen und noch bis 1943 wurden geheime Pauktage abgehalten und trotz Verbotes scharfe Mensuren gefochten. Erst mit dem Ende des Krieges, in dem 63 Gießener Franken ihr Leben ließen, löste sich die Kameradschaft auf.

Obwohl von der Gießener Universität nach dem Krieg zunächst nur zwei Fakultäten blieben (erst ab 1957 wurde die „Justus-Liebig-Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin“ wieder zur Volluniversität ausgebaut), entstanden bereits 1946 die ersten neuen Verbindungen. Eine davon, die „kulturell-wissenschaftlichen Verbindung Vineta“, schloss sich 1948 mit den alten Franken zusammen und rekonstituierte damit die Gießener Burschenschaft Frankonia.  Diese wirkte sowohl 1949 an dem von Germania Gießen initiierten ersten Nachkriegstreffen burschenschaftlicher Verbindungen in Gießen als auch an der Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft 1950 in Marburg maßgeblich mit und bekannte sich klar zu den urburschenschaftlichen Grundsätzen und der Wiedereinführung der Bestimmungsmensur. Im gleichen Jahr stellten Frankonia und Germania Gießen je drei Unterstützungsburschen zum erfolgreichen Wiederaufbau einer Aktivitas der Alemannia Gießen ab.

Mit dem in den Jahren 1970 bis 1972 beginnenden Richtungsstreit innerhalb der Deutschen Burschenschaft und der Aufnahme von Burschenschaften aus Österreich in die DB begann die lange Phase wachsenden Unbehagens über die Entwicklung des Verbandes. Frankonia engagierte sich wiederholt in den als Gegengewicht zur „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ gegründeten Arbeitskreisen. Im Geschäftsjahr 1984/85 wurde Frankonia Gießen zur Vorsitzenden Burschenschaft der DB gewählt und versuchte, einen gemäßigten Kurs der DB zu etablieren. Aber alle Bemühungen, die Politik der DB durch verbandsinterne Aktivitäten zu verändern, blieben erfolglos. Als auf dem Burschentag 1995 ein letzter Versuch zur liberalen Erneuerung des Verbandes scheiterte, trat die Gießener Burschenschaft Frankonia mit Wirkung vom 30. Juni 1996 aus der Deutschen Burschenschaft (DB) aus und schloss sich nach zwei Jahren Verbandsfreiheit 1998 der NeuenDB an.

Spannungen innerhalb der Aktivitas führten im SS 2001 zu zahlreichen Austritten und zur vorübergehenden Vertagung des aktiven Bundes. Seit dem WS 2003/04 ist die Aktivitas aber kontinuierlich wieder so weit gewachsen, dass sich die Gießener Burschenschaft Frankonia jetzt in der Lage sieht, ihre Kräfte auch verstärkt für die Verbandsarbeit einzusetzen.