Wissenschaft und Demokratie

08.09.2026

„Alternative Fakten“, mit diesem Unwort verdecken erschreckend viele Menschen ihre Verachtung für wissenschaftliche Erkenntnisse. Bezeichnenderweise sind es oft dieselben, die auch die parlamentarische Demokratie ablehnen.

Wie konnte es dazu kommen, dass in weiten Teilen der Bevölkerung so großes Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Fakten besteht?

Ich vermute, dass es hierfür zumindest zwei Gründe gibt. Zum einen das teilweise unglückliche Agieren der Regierung während der Corona-Epidemie. Viele Menschen fühlten sich in ihrer Freiheit zu sehr eingeschränkt.

Es gab aber keine „Blaupause“ für eine derartige Epidemie, so dass sich die Entscheider an das jeweils „Richtige“ nur herantasten konnten. Dabei wurden sie von verschiedenen Wissenschaftlern unterstützt. Die mit fortschreitender Epidemie sich auch weiter entwickelnden Erkenntnisse wurden oft als widersprüchlich wahrgenommen. Dass dabei auch abweichende Meinungen von Wissenschaftlern geäußert wurden, liegt einerseits in der Natur der Sache, trug aber eben auch zur weiteren Verunsicherung und Misstrauen bei.

Einhergehend mit dem Misstrauen und der Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse besteht dies offensichtlich auch gegen „Die da oben“. Schließlich war es die Regierung, die die Maßnahmen verordnete. Demokratie aber ist mühsam und muss für Interessenausgleich sorgen, also Kompromisse machen. Da erscheint der Ruf nach dem „starken Mann“/ der „starken Frau“ mit dem Angebot einfacher „Lösungen“ nur folgerichtig. Genau dabei bleiben Fakten und wissenschaftlich fundiertes Wissen auf der Strecke. Es werden für sehr komplexe Probleme vermeintlich einfache Ursachen und Scheinlösungen propagiert. Populisten kümmern sich weder um echte Fakten noch wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie simplifizieren die Wirklichkeit bis zur Unkenntlichkeit.

Zudem erleben wir Fluch und Segen des Internets und der (a)sozialen Medien. Dank der Algorithmen lebt der Nutzer mehr oder weniger nur in seiner Bubble. Gab es früher den Dorf-Deppen, der einsam in der Ecke saß, so kann dieser heutzutage seine „Weisheiten“ über Facebook, Instagram und Co. verbreiten und siehe da, er ist nicht mehr allein damit. Auf einmal fühlt sich eine Minderheit als „die breite Masse“. Entsprechend wird dann auch laut rumgegrölt.

Dankbar aufgenommen und weiter verbreitet werden diese „Gefühle“ dann von eben jenen Populisten, die keinerlei Wert auf unsere Demokratie legen oder sie sogar aktiv bekämpfen.

Die NeueDB als akademischer Verband muss -nach meinem Verständnis- dem aktiv entgegentreten. Unsere jungen Mitglieder sind der Wissenschaft verpflichtet. Wir unterstützen sie dabei gute Demokraten zu sein, die auch bereit sind, Verantwortung für unsere Gesellschaft, für ein demokratisches Deutschland in einem freien Europa zu übernehmen.

Fakten, Wissenschaft und Demokratie sind nicht verhandelbar!

 

Bernd Graap
Vorsitzender der NeuenDB e.V.